Willkommen in meinem Blog

Psychotherapie I ADHS & Autismus I Frausein I Lebensübergänge

28. April 2026

Übergänge bei Neurodivergenz

ADHS, Autismus und Veränderungen verstehen

Übergänge als natürlicher Teil des Lebens

Übergänge sind ein fester Bestandteil unseres Lebens. Manche begehen wir bewusst, weil sie im Alltag oder im Jahreslauf eine hohe Relevanz haben - wie ein Jahreswechsel oder der Beginn eines neuen Lebensabschnitts.

Andere verlaufen unbemerkt oder finden kaum Beachtung, weil sie uns selbstverständlich erscheinen - beispielsweise der Wechsel zwischen zwei Tätigkeiten, oder von einem inneren Zustand in einen anderen.
Ob Übergänge leicht oder schwer fallen, welche von Bedeutung sind und wie wir mit Veränderungen umgehen, ist jedoch sehr verschieden.

Übergänge bei Neurodivergenz: Mehr als einfache Veränderung

Im Zusammenhang mit Neurodivergenz bedeuten Übergänge Wechsel von Zuständen, Aktivitäten, Kontexten und innerem Fokus. Sie sind nicht nur organisatorischer Natur, sondern bedeuten neurologisch ein hohes Maß an Energie und Aufwand.

Dies hat zur Folge, dass Menschen, die von ADHS und Autismus betroffen sind, Übergänge und Veränderungen häufig als große Herausforderungen erleben, bis hin zu Handlungsunfähigkeit, Shutdown oder Meltdown. Diese haben nichts mit Faulheit, Hysterie oder Vermeidung zu tun, sondern sind direkte Folgen von neurologischer Überlastung.

Übergänge bei ADHS: Motivation, Dopmain und exekutive Funktionen

Menschen mit ADHS kennen die Schwierigkeiten, mit etwas zu beginnen und aufzuhören und erleben starke Schwankungen in der Motivation und der verfügbaren Energie.

Warum Anfangen und Aufhören so schwer fällt

Dies ist keine Frage des Wollens, sondern hat neurologische Hintergründe: sie hängen mit dem Neurotransmitter Dopamin und mit den exekutiven Funktionen des präfrontalen Cortex zusammen. 

Die Rolle von Dopamin und innerer Aktivierung

Dopamin spielt eine entscheidende Rolle dabei, wie relevant eine Handlung erlebt wird, wie viel innere Aktivierung möglich ist und ob überhaupt ein Handlungsimpuls entsteht. 

Wenn etwas neu, aufregend, emotional relevant, hochinteressant oder dringend erscheint, kommt es zu einer starken Aktivierung von Dopmain. Dadurch entstehen intensiver Fokus, Ausdauer, Verlust von Zeitgefühl und Schwierigkeiten beim Wechsel oder Beenden der Tätigkeit.

Wenn Motivation nicht von selbst entsteht

Der präfrontale Cortex ist unter anderem dafür zuständig, Handlungen zu planen, zu beginnen, zu beenden und zwischen Tätigkeiten zu wechseln. Wenn diese Steuerung durch eine Dysregulation im Dopaminhaushalt erschwert wird, entstehen die typischen Herausforderungen im Umgang mit Übergängen.

Bei alltäglichen, sich wiederholenden Anforderungen, bei denen sich ein Belohnungseffekt erst spät oder vielleicht gar nicht einstellt, bleibt die innere Aktivierung häufig gering. Das Anfangen kann sich dann blockiert anfühlen, Motivation entsteht nicht "von selbst" und reine Willenskraft reicht oft nicht aus, um eine Handlung in Gang zu bringen.

Verständnis als Grundlage für Entlastung

Ein Verständnis dieser Zusammenhänge, sowohl bei Betroffenen als auch ihren Angehörigen, kann dazu führen, Übergangsschwierigkeiten einerseits besser einzuordenen und nicht zu pathologisieren - andererseits kann dieses Wissen um das eigene System Betroffene dazu ermächtigen, Strategien zu entwickeln, die zu Entlastung und besserem Gelingen beitragen.

Übergänge bei Autismus: Vorhersagbarkeit, Reizverarbeitung und Kontrolle

Bei Menschen mit Autismus sind die Gründe für Schwierigkeiten mit Übergängen und Veränderungen etwas anders. Sie betreffen mehrere Hirnregionen wie beispielsweise den präfrontalen Kortex, das Kleinhirn, das Arbeitsgedächtnis und die atypische Konnektivität verschiedener Hirnareale.
Hier geht es primär um die Themen Umstellung, Vorhersagbarkeit und Reizverarbeitung.

Warum Veränderungen Stress auslösen können

Sicherheit entsteht, wenn Abläufe bekannt sind, wenn es feste Reihenfolgen gibt und wenn Übergänge durch kleine Rituale wieder als kontrollierbar und gerahmt erlebt werden.
Denn Übergänge und Veränderungen bedeuten häufig einen Verlust von Kontrolle über das Erwartbare.

Veränderungen müssen kognitiv und sensorisch verarbeitet und integriert werden. Dies geschieht nicht automatisch, sondern benötigt eine Neurorientierung in der veränderten Situation. Dies braucht Zeit und kann zu hohem Stresserleben führen, bis alles innerlich wieder seinen Platz gefunden hat.

Auch das Umstellen von einer Aufgabe zu einer anderen bedeutet einen hohen energetischen, neuronalen und auch mentalen Einsatz.

Reizverarbeitung und sensorische Belastung bei Übergängen

Reizverarbeitung spielt eine große Rolle, da Übergänge und Veränderungen häufig mit neuen sensorischen Reizen zusammen hängen - Geräusche, Gerüche, Körperempfindungen, das soziale Umfeld: Reizüberflutung und Ungewissheit verstärken den Übergangsstress. 

Übergänge brauchen Zeit, Struktur und Einordnung

Übergänge sind leichter, wenn sie selbst herbei geführt wurden (Kontrolle), oder wenn sie verständlich eingeordnet werden können. Unklare, kurzfristige oder nicht nachvollziehbare Änderungen sorgen für Stress.
Grundsätzlich lässt sich sagen, dass Übergänge und Veränderungen für autistische Menschen mit hohen mentalen und körperlichen Energiekosten verbunden sind und zu Erschöpfung führen können.

Emotionale Reaktionen: Shutdowns und Meltdowns

Auch emotional können sie sich intensiv auswirken und zu starken Spannungszuständen, Meltdowns (Entladung nicht regulierbarer Überforderung) und Shutdowns (Rückzug, Erstarren) führen.

Vor diesem Hintergrund mag verständlich werden, warum Übergänge bei Autismus nicht einfach bewältigt werden können, sondern Rahmen, Zeit und ein achtsames Umfeld sowie Selbstfürsorge benötigen, um innerlich gut integriert zu werden.

Bewusster Umgang mit Übergängen im Alltag

Übergänge machen sichtbar, wie unterschiedlich neurodivergente Systeme mit Veränderungen, Aktivierungen und Umstellungen umgehen. 
Zusätzlich wird klar, dass es hilfreich sein kann, sie bewusst zu begehen.

Nicht nur die großen Übergänge brauchen unsere Aufmerksamkeit - auch die kleinen, alltäglichen dürfen gewürdigt werden. Besonders Menschen mit ADHS und Autismus profitieren davon, ihre eigenen Muster, Bedürfnisse und Herausforderungen genau wahrzunehmen, um Übergänge gut zu gestalten.

Zurück
Information icon

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.